| Marco |
| Traumjob Barmann |
| 2010.06.07 14:41:17 | |
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Heute Mittag hatte ich eine email im Postfach mit folgendem Artikel. Ich möchte ihn euch nicht vorenthalten, deshalb mit freundlicher Genehmigung von Hein Feddersen vom Valentin Stüberl: "Traumjob Barmann" "In vielen Filmen mit Gastronomieszenen wird dem Laien gerne vorgegaukelt, dass ein Job hinter der Theke mit allerlei Annehmlichkeiten verbunden ist. Barmänner haben da selbst im vollsten Laden immer genug Zeit, den einen oder anderen Plausch zu halten, ohne dass dabei ein anderer auf seine Bestellung warten muss. Höfliche Gäste grüßen und ordern - ohne lange zu überlegen - Drinks mit wohlklingenden Namen und bezahlen sofort und stecken dabei dem Service Geldscheine in die Brusttasche der frisch gebügelten Barjacke. In den Clubs im Film wartet zum Feierabend stets eine bunte Auswahl der attraktivsten jungen Damen der Stadt darauf, dass der Barmeister wenigstens eine von ihnen in den nächsten Superladen oder aber gleich zu ihr nach Hause (Penthouse mit Panoramablick, Wasserbett, Hausbar, Cabriolet) entführt. Ja. Liebe Freunde der gepflegten Unterhaltung: Die Wirklichkeit sieht, wie nicht anders zu erwarten, leider völlig anders aus. Der Tag eines Barmanns im richtigen Leben beginnt damit, sich erstmal darüber zu ärgern, dass es am Vorabend wieder wahnsinnig spät wurde. Die Vorbereitung im Laden wird erschwert durch die Lieferung einer Palette Klopapier, die natürlich sofort im viel zu kleinen Lager untergebracht werden muss und anderer unvorhersehbarer Ereignisse. Bevor man die Kneipe aufmacht hat man bereits das erste Hemd versaut und müsste eigentlich schon wieder duschen. Wenn die ersten Gäste aus der Nachbarschaft eintrudeln beginnt der dankbarste Teil eines Abends und mit viel Glück und Geduld bleibt es dann auch so. Wenn nicht eine Horde nicht bekannter Schnösel in Bierlaune sofort den Mangel an weiblichen Gästen moniert, selbst aber noch nicht mal ein einziges Mädel mitgebracht hat. Da ist das Pärchen, das wie jeden Abend lauthals und hemmungslos zu streiten anfängt. Im Gegensatz zu den Bars im Film geht im größten Trubel nacheinander der Kaffee, das Bier, die Eiswürfel und das Wechselgeld aus und bei der Beschaffung des Nachschubs ruiniert man sich das zweite und letzte Hemd. Darüber macht sich dann ausgerechnet der Typ lustig, dem du ein Taxi gerufen hast und die Bar darauf mit der einzigen großen blonden Unbekannten verlässt, bevor du sie nach dem Namen fragen konntest. Und anders als in Hollywood wird man man gerne mal mit Chef, Meister oder Fräulein angesprochen. Dann passiert es auch schon einmal, dass ein angetrunkener Gast nach der wiederholten Aufforderung vor dem Lokal leise zu sein, überreagiert und handgreiflich wird. An den Alltag hat man sich mit der Zeit gewöhnt und damit abgefunden, dass sich die Sternstunden dieses Berufs auf ganz wenige Augenblicke beschränken. Wahrscheinlich wäre es sogar langweilig, wenn einem ständig die Herzen zufliegen würden. Was aber den geduldigsten Barmann in Rage versetzen kann, das ruhigste Gemüt in Wallung bringt, ist der kleine Kreis derer, die sich lange nach Geschäftsschluss, jede Nacht aufs Neue, den Wirt daran hindern seinen Laden abzusperren. Und das sind leider nicht die Schönen mit dem Penthouse. Barmänner werden mit zwecklosen Bestellungen wie, "Kann ich vielleicht doch noch ein Bier haben? Ich zahle das auch und trinke auch ganz schnell" gequält. Mit ihren Getränkeresten steht diese Spezies immer genau dort, wo gerade gekehrt, aufgestuhlt oder gewischt werden muss, so als wäre das Recht des Ausharrens in gastronomischen Einrichtungen fest im Grundgesetz verankert. Unter Einsatz des Putzlichts, das die Bar optisch in ein Hallenbad verwandelt, hilft die zweihundertste Aufforderung zu gehen genauso wenig wie ein laut gebrülltes "Feierabend". Im Gegenteil. Sitzenbleiber pöbeln gerne und fühlen sich wie Zugabe eines Rockkonzerts, wie das Sahnehäubchen auf der Torte der Nacht. Sie klammern sich an der Theke fest und übernehmen ungewollt Körperhaltung sowohl Funktion von Amöben, einfältigen Lebewesen, deren einzige Tätigkeit darin besteht, den eigenen Flüssigkeitshaushalt zu regulieren. Bei diesem Anblick sieht sich der Barmann nicht nur mit der eigenen Vergänglichkeit, sondern mit einem unerfreulichen Ausgang des Abends und der nackten Realität konfrontiert. Falls der Barkeeper dann doch noch irgendwann abschließen kann, wird er sich abermals darüber ärgern, dass es wieder einmal sehr spät wurde und ist dabei so groggy, dass es ihm egal ist, wo die große blonde Unbekannte ihr Frühstück einnimmt. Man fragt sich: Kann man Einzeller für den Entzug von Freizeit zur Verantwortung ziehen? Warum läuft in Filmbars niemals die Toilette über? War der Erfinder des Spruchs: "Je später der Abend, desto besser die Gäste" ein Gastronom oder Karussellbremser? Denn eigentlich muss es ja heißen: "Wer zu spät kommt, den straft die Leber." Am treffendsten aber ist einer unserer Leitsprüche, den man nicht oft genug wiederholen kann und von dem jeder - und nicht nur die Thekenkraft - profitieren kann: "Früher kommen. Länger Spaß haben." Das wünscht sich... Euer Valentin Stüberl." Tags:
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